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Die Railsimulator.net Rezension: RhB Heidi Express

  • Nach unserer ersten erfolgreichen Rezension zum TSW Add-on Great Western Express von DTG hat unser News-Team daran angeschlossen und pünktlich zu Weihnachten gibt es eine neue Rezension. Heute möchten wir Euch das Add-On RhB Heidi Express von SimTrain.ch für den Train Simulator vorstellen.


    Verkaufsversionen und Installation:


    Die Strecke ist im Online Shop von SimTrain.ch als Download für 46,50 Euro bzw. als Box für rund 47,27 Euro erhältlich. Die Downloadversion wird in einer WinRAR Datei geliefert. Wird sie geöffnet, erscheint eine Installer.exe Datei. Die Installation läuft problemlos und automatisch.


    Handbücher:


    Mit der Strecke werden drei verschiedene Dokumente in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch mitgeliefert. Die drei Dokumente bestehen aus einem Dienstfahrplan, Gleisplänen für jeden Bahnhof und dem Handbuch. Im Dokument „Dienstfahrplan“ ist der Fahrplan für jedes Szenario hinterlegt, gleiches gilt für die Gleispläne der einzelnen Bahnhöfe. Das Handbuch besteht aus 29 Seiten und ist chronologisch vom Inhaltsverzeichnis über die Beschreibung der Original Strecke bis hin zur Bedienung der einzelnen Fahrzeuge ausführlich und gut beschrieben.


    Information zur Strecke:


    Eine Information zur Streckenlänge haben wir im Handbuch leider nicht gefunden. Die Gesamtstreckenlänge der 1000 mm (Meterspur) Strecke von Landquart bis zum zweiten Endbahnhof Filisur liegt bei ca. 70,3 Kilometern. Zwischen beiden Endpunkten liegen 22 Bahnhöfe - wir nennen hier nur die größten Bahnhöfe als Beispiel: Grüsch, Schiers, Küblis, Klosters Platz, Davos Platz.


    Zum Strecken Add-On:


    Was beim Start sofort auffällt, ist, dass diese Strecke von der Optik besser herüber kommt als das erste SimTrain.ch Add-On „SBB-Route 1“.


    In Landquart beginnt die Streckenführung flach und führt vorbei an einigen für diese Region typischen Landhäusern (Chalets). Einigen Landhäusern hat man einen Garten mit Zaun gegönnt, andere stehen einfach in einem freien Feld bzw. auf einer Wiese. Die Vorgärten wurden teilweise gut bepflanzt mit neuen Pflanzen zum Beispiel: Sonnenblumen, Rosen und, wenn wir es richtig gedeutet haben, mit Krokussen in gelben und lila Farben sowie Farnen. Was uns gut gefällt, sind die 3D Nadelbäume und die 3D Birken. Diese wirken realistisch. Sie kommen leider nur in einer Höhe vor – dies ist schade – hier hätten unterschiedlich hohe Bäume den Gesamteindruck viel besser gestalten können.


    Der Blick beim Start geht sofort auf die kahle Berglandschaft – hier denkt man dann „um Gotteswillen“. Wir können jedoch sagen, nähert man sich der Berglandschaft werden diese mit Vegetation, sprich mit Nadelbäumen, nachgeladen. Das sieht dann sehr gut aus – hier gibt es nichts zu beanstanden.



    An Pferde, Rehe und Hirsche hat man ebenfalls gedacht, die sogar ihren Kopf und einen Huf bewegen. Ein nettes kleines Detail, was wir uns auch für andere Strecken wünschen würden.


    Neben der Strecke befinden sich kleine Baustellen, die leider nicht gut ausgestaltet worden sind. Hier hätten wir uns noch weitere Details gewünscht, zum Beispiel: einen kleinen Schotterhaufen, Bagger, Baucontainer, einzeln abgelegte Schienen usw..


    Die Fahrt geht jetzt in die Bergregion, über Viadukte, kleine Brücken sowie weitläufige Wälder mit sehr steilen Abhängen. Diese sind zum größten Teil sehr gut mit Nadelbäumen und Laubbäumen bestückt worden. Ein kleiner Teil der Wälder wurde mit Unkraut bzw. anderen Kräutern ausgestaltet. Hier hätte man ruhig noch viel mehr ausgestalten können – uns ist bewusst, dass in den höheren Regionen die Vegetation abnimmt, aber gar nichts mehr - ist auch nicht gut. Wenn diese mit umgeknickten bzw. liegenden Baumstämmen oder Baumwurzeln ausgeschmückt wäre, würden diese Stellen nicht so kahl und steril wirken. Wir sind überzeugt, dass es bei dieser zusätzlichen Ausschmückung zu keinen Performance Einbrüchen kommen würde.



    Bei den Bächen und Flüssen gibt zwei verschiedene Varianten – einmal als fließendes Gewässer und einmal als angedeuteten Bachlauf in blau und türkisfarben. Die letztere Art des Bachlaufes wurde nicht besonders gut nachgebildet – an den Rändern des Baches ist der Wasserstand höher als in der Mitte des Bachlaufes. Es gibt keinen ersichtlichen Ansatz zum Übergang zur Ufervegetation – wirkt ein bisschen lieblos. Was im Gegensatz dazu bei den mit Wasser gefüllten Bächen gut gelungen ist, sind die ausgetrockneten Bachläufe. Was uns ebenfalls negativ aufgefallen ist, sind die unterschiedlich gestalteten Felswände einmal mit ziemlich unscharfer Textur und kurz daneben eine Felswand mit richtig guter und scharfer Textur.


    Bahnhöfe und Schilder:


    Positiv zu erwähnen sind die gut ausgestalteten Bahnhöfe mit ihren zusätzlichen Gebäuden: die Bahnhofsgebäude, Lagerhäuser, Fahrscheinautomaten und ihre Hinweisschilder. Alle Bahnhofs- , Hinweis- , Straßen- und Werbeschilder sind supergut zu lesen, sogar auf den Touchscreen der Fahrscheinautomaten ist der Schriftzug „Willkommen“ rechts oben mit dem Kürzel der RhB zu erahnen. Einen Minuspunkt müssen wir hier leider beim Bahnsteigbau geben – Bahnsteige, die gekrümmt sind, wurden nicht wie üblich rund, sprich entsprechend der Gleislage. verlegt – sondern weisen Ecken auf, was den Gesamteindruck der Bahnhöfe leider wieder mindert.



    Das Rollmaterial:


    Mitgeliefert wird der Allegra Triebwagen sowie die Ge4/4 Elektro-Lok, dazu kommen diverse Personen- und Güterwagen. Alle Fahrzeuge sind voll funktionstüchtig als Spielerzüge.


    Fangen wir beim Allegra Triebwagen an, dieser kann sich von außen leider überhaupt nicht sehen lassen und sieht äußerst künstlich und verformt aus, auch die Texturen sind in ihrer Qualität noch ausbaufähig. Im Gegensatz dazu zeigt sich die Ge4/4 Elektro-Lok von außen wesentlich besser, sowohl Modell als auch Texturen können sich sehen lassen. Besonders gelungen ist die 125-Jahre-Version der Lok, sie sticht optisch hervor.



    Auch die mitgelieferten Wagen sehen optisch ansprechend aus, könnten jedoch noch detailreicher sein und auch die Texturen könnten noch besser sein, sind jedoch im Kontext stimmig. Ein besonderes Feature an den Güterwagen sind die Türen, welche sich öffnen lassen, um im Stückgutverkehr an Personenzügen entladen werden zu können. Auch der Allegra weist ein besonderes Feature auf: wechselt man in den Fahrgastraum (Ansicht 5) ertönt eine Begrüßungsansage.



    Die Führerstände beider Fahrzeuge sind optisch wesentlich besser und bringen einen für den TS normalen Funktionsumfang mit. So kann das Fahrzeug in wenigen Schritten aufgerüstet werden und auch diverse Steuerungen, wie die AFB, sind im Allegra umgesetzt.



    Dahingegen stellt sich technisch Ernüchterung ein, die Fahrphysik der Fahrzeuge ist leider eine, unserer Meinung nach, Katastrophe. Es ist nur sehr schwer möglich, die Züge überhaupt zum Stehen zu bringen und auch bergab macht sich die schlechte Bremssteuerung bemerkbar. Weder feinfühlig noch realistisch ist diese umgesetzt, besonders schwere Züge und die Fahrt im Gefälle werden damit zum Drahtseilakt bezüglich des Einhaltens der Geschwindigkeiten und des Haltens an Signalen und Stationen. Wie bei fast allen Triebzügen ist auch beim Allegra davon auszugehen, dass dieser in der Bremsstellung mit dem Kombihebel eigentlich irgendwann zusätzlich zur E-Bremse die Pneumatische Bremse hinzunehmen müsste. Auch dies fehlt vollständig.


    Als Zugsicherungssystem weisen beide Fahrzeuge ein als „Sifa“ bezeichnetes System auf, welches der deutschen PZB ähnelt, jedoch stark vereinfacht ist. An Vorsignalen, die einen Langsamfahrbegriff zeigen, ist „Q“ zu drücken und beim Überfahren von Halt zeigenden Signalen (Manöver) ist „R“ zu drücken.


    Der Sound der Fahrzeuge vollendet dieses Bild dann, beide Fahrzeuge haben vom Sound her nicht viel mit ihrem Vorbild gemeinsam. Lediglich das Quietschen der Wagen beim Bremsen bleibt positiv zu erwähnen, dieses ist wirklich schön, wenn auch leider nicht vollständig synchron mit dem Bremsvorgang.


    Die Bahntechnik:


    Optisch sind sowohl Signale als auch Oberleitung und Schienen in Ordnung. Sie sind keine besonderen Highlights, aber auch nicht wirklich schlecht. Leider sind aber beim Gleisbau einige Mängel zu beklagen, Kurvenüberhöhungen sind zum Teil viel zu stark und die dazu gehörigen Übergangsbögen zu kurz. Auch diverse Steigungen scheinen sehr extrem, jedoch sind deren Übergänge in jedem Fall noch besser realisierbar, denn hier wurden die Streckenlängen zum korrekten Ausrunden der Steigungen leider zu kurz gewählt.


    Die Signale hingegen sind technisch besser umgesetzt, sie scheinen zum großen Teil korrekt zu sein und auch Besonderheiten, wie das Bremsprobensignal sind realisiert. Die Oberleitung ist nicht besonders aufwendig, für den TS aber durchschnittlich und in ihrem Umfang in guter Gesellschaft.


    Szenarien:


    Besonders erwähnenswert sind jedoch die Szenarien, wer SimTrain bereits aus Microsofts TrainSimulator-Zeiten kennt, weiß, was gemeint ist. Die Szenarien sind äußerst aufwendig gestaltet, mit einem realistischen und reichhaltigem KI-Verkehr sowie vielen stimmigen Ereignissen, wie die zu den Ansagen in den Bahnhöfen passenden Meldungen (je nach Geschmack vielleicht zu viel) und anderen Details. Nicht nur, dass ganze 21 Stück mitgeliefert werden - was für den TS eine absolute Seltenheit ist - so sind diese auch alle noch mit einem eigenen, realistischen Schweizer Dienstfahrplan in pdf.-Form ausgestattet.


    Unser Fazit:


    Das Add-On enthält diverse Highlights, so ist der Preis ein weiteres. Auch wenn man beachten muss, dass SimTrain ein Schweizer Unternehmen ist, so ist dieser immer noch ziemlich stolz und unserer Auflassung nach nicht angemessen. Es ist natürlich auch hier eine Frage des Geschmacks und worauf der eigene Fokus im Train Simulator liegt, jedoch ist nirgendwo eine herausragende Leistung erbracht worden, welche den Preis rechtfertigen würde. Wer nicht gerade ein Fan von Schweizer Rollmaterial oder den Schweizer Eisenbahnen ist, können wir den Kauf des Add-Ons leider nicht uneingeschränkt empfehlen.



    Gruß
    Euer - News Team