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letzter Beitrag von Waeshoe am

Fahren einer Dampflok

  • Seit längerer Zeit frage ich mich schon, wie die Dampfloks im TS möglichst vorbildgerecht gefahren werden. Natürlich geht es auch mit automatischem Heizer und der Beschleunigung mit dem Regler. Vorbildgerecht ist daran schlichtweg gar nichts. Also durchforstete ich das Internet und fand unzählige Seiten mit Tips und Hinweisen, die von Lokführerern verfasst wurden, die früher diese Schmuckstücke selbst gefahren haben oder es im Museumsbetrieb heute noch tun.


    In der Regel waren es immer nur kurze Hinweise zu einer bestimmten Situation. Ich habe diese zahllosen Fragmente jetzt mal zu einem verständlichen Text Stichpunktartig zusammengefasst. Nicht alles lässt sich bei jeder TS-Dampflok umsetzen. Z.B., dass, wenn der Regler einmal bei Steuerung neutral geöffnet und dann gleich wieder geschlossen wird, das System unter Druck steht. Wird die Steuerung dann in einer Fahrtrichtung geöffnet, bewegt sich die Lok auch bei geschlossenem Regler. Bei der 86 von DTG soll es wohl funktionieren, wie ich einmal gelesen habe. Ausprobiert habe ich es noch nicht. Bei der 44 von Romantic Railroads funktioniert es nicht.


    Da ich selbst kein Lokführer bin (leider), kann ich nicht sagen, ob diese Angaben alle korrekt sind. Für Hinweise bin ich natürlich dankbar und überarbeite den Text dann entsprechend. Dieser liegt dann noch mal im PDF-Format in der Anlage für den Fall, dass sich jemand diesen ausdrucken möchte, um direkt nach der Anleitung zu fahren.



    Stillstand
    Der Bläser wird aktiviert, damit das Feuer in der Feuerbüchse noch Luft bekommt. Zusätzlich sind die Luftklappen geöffnet. Das Wasser wird hier mit dem Injektor (kalt), nicht mit der Kolbenpumpe, nachgespeist.



    Vorbereitung zur Fahrt
    Die Zylinderhähne sind noch geöffnet und die Steuerung noch auf neutral.


    In diesem Zustand den Regler einmal öffnen und dann wieder schließen. Dann werden die Zylinderhähne geschlossen und der Vorgang mit dem Regler wiederholt. So wird der Nassdampf in die Überhitzerheizrohre geleitet.
    Dann werden die Bremsen gelöst und der Regler noch einmal geöffnet und geschlossen. Die Lok bewegt sich dabei nicht.
    Wird jetzt die Steuerung für eine Richtung betätigt, fährt die Lok auch bei geschlossenem Regler durch den noch vorhandenen Druck im System.
    Bei Rangierfahrten ist daher der Regler nur kurz zu öffnen bei geöffneten Zylinderhähnen.



    Anfahren
    Schwerer Zug am Haken. Steuerung 50%, Zylinderhähne offen, Lokbremse angelegt. Dann den Regler auf Minimum öffnen, Zug steht. Zylinderhähne werden geschlossen, der Druck steigt und der Zug beginnt, sich zu bewegen. Lokbremse lösen, der Zug beschleunigt, bis sich die Reglerstellung und die Geschwindigkeit eingependelt haben.
    Nun sind die Dampfentnahme aus dem Kessel und der Verbrauch gleich groß.


    Wird jetzt die Steuerung z.B. auf 30% zurückgenommen, beschleunigt der Zug wieder. Wird der Regler weiter geöffnet, passiert dasselbe.
    Bis etwa 30 km/h wird die Geschwindigkeit noch über den Regler gesteuert. Dann Regler „voll auf“ und Geschwindigkeit mit der Steuerung regeln.



    Fahren
    Es wird grundsätzlich nie unter 20% Füllung gefahren. Der Hilfsbläser wird nur im Stillstand und in Tunnelfahrten aktiviert.
    Der Bläser ist abgeschaltet, die Luftklappen bleiben in Fahrtrichtung und an der Seite offen.


    Der Regler wird auf die Geschwindigkeit gestellt, die gefahren werden soll, auch bis zur vollen Öffnung. Geregelt wird mit der Steuerung. Der Regler wird nur bei Fahrten auf einer Gefällestrecke zurückgenommen, oder wenn der Kesseldruck zu hoch wird.
    Steigt der Druck weiter, Wasser mit der Kolbenpumpe nachspeisen. Hier wird vorgewärmtes Wasser eingeleitet.




    Bremsen
    Gebremst wird nicht mit der Bremse. Diese dient lediglich dazu, den langsam ausrollenden Zug zum Stillstand zu bringen und an Bahnhöfen für den Fahrgastwechsel bzw. zum Be- und Entladen in den Güterbereichen zu fixieren.


    Fahrtrichtung vorwärts.Der Regler wird auf null zurückgestellt. Die Steuerung über Neutral auf max. 20% in Richtung rückwärts gestellt. Mit dem Regler wird äußerst vorsichtig Druck eingesteuert. Der noch in Vorwärtsfahrt befindliche Zug wird durch den in die Zylinder eingesteuerte Gegendruck gebremst.
    Wird zu viel Druck bei zu hoch ausgelegter Steuerung und zu viel ausgelegter Reglerstellung eingesteuert, beginnt die Lok im besten Falle zu gleiten. Im schlimmsten Fall werden Kolben und Zylinder zerstört.



    Abstellen
    Handbremse anlegen, Steuerung in Mittelstellung arretieren, Zylinderhähne öffnen.



    Riggenbach Gegendruckbremse
    Nie über 30 bis max. 50 km/h anwenden.


    Hier das Ganze, leider etwas lückenhaft, noch mal im bewegten Bild:



    Hier der Link zu der gesamten Videoreihe. Für alle Interessenten der Dampftraktion sind diese Filme ein absolutes Muss.

  • Gute Idee, das Thema hier mal anzusprechen, obwohl ich den Eindruck habe, dass wenige Forennutzer mit den TS Dampfern unterwegs sind. Einmal weil sie viel komplizierter zu fahren sind, zum anderen weil die guten Loks meist in GB unterwegs sind, und es auch dort die entsprechenden Streckennetze gibt. Ich habe immer wieder Zeiten in denen ich im TS fast ausschließlich mit Dampfern unterwegs bin (wenn möglich mit SteamSoundSupreme Ausstattung). Es hat ja schon seinen Grund, dass die Loks im Original mit Fahrer und Heizer unterwegs sind, im TS muss man alles alleine machen. Das führt bei mir oft dazu, dass ich schwitzend vor dem PC sitze. Glücklicherweise kann man bei den meisten Loks zwischen Advanced und Standard wählen, und selbst da ist es oft anstrengend eine Steigung zu schaffen auf die man nicht vorbereitet ist. Die (von mir vermutete) Realität wird mit der neuen Black 5 von Bossmann/DTG so weit getrieben, dass selbst der virtuelle Heizer mit der Zeit immer langsamer schaufelt, weil er müde wird. Übrigens habe ich diese Lok wieder zurück gegeben, da sie mich dann doch überfordert hat, bezw. mir die Lust fehlte mich so intensiv einzuarbeiten, dass mir z.B. nicht immer wieder der Kessel explodierte, weil ich was falsch bedient habe.

  • Hilfreich!

    Was ich oben noch vergessen habe ist das Bremsen. Ich weiß, wer bremst, verliert. Aber das eine oder andere Mal könnte diese Funktion doch noch nützlich sein. :D Die PDF in der Anlage oben ist bereits aktualisiert.


    Jetzt kommt die große Überraschung: Gebremst wird nicht mit der Bremse. Die Belastung der Komponenten ist zu groß. Dies würde einen immensen Verschleiß und häufige Schäden bedeuten. Alles Weitere siehe unten.


    Bremsen
    Gebremst wird nicht mit der Bremse. Diese dient lediglich dazu, den langsam ausrollenden Zug zumStillstand zu bringen und an Bahnhöfen für den Fahrgastwechsel bzw. zum Be- und Entladen in den
    Güterbereichen zu fixieren.
    Fahrtrichtung vorwärts. Der Regler wird auf null zurückgestellt. Die Steuerung über Neutral auf max.20% in Richtung rückwärts gestellt. Mit dem Regler wird äußerst vorsichtig Druck eingesteuert. Der
    noch in Vorwärtsfahrt befindliche Zug wird durch den in die Zylinder eingesteuerte Gegendruck gebremst.
    Wird zu viel Druck bei zu hoch ausgelegter Steuerung und zu viel ausgelegter Reglerstellung eingesteuert, beginnt die Lok im besten Falle zu gleiten. Im schlimmsten Fall werden Kolben und
    Zylinder zerstört.

  • Zu der Beschreibung oben habe ich noch ein interessantes Video gefunden. So ist der ganze Ablauf noch einmal von den Profis erklärt. Es wird leider nicht der gesamte Bereich der Tätigkeiten beschrieben, aber manche Details sind nochmal ausführlicher erklärt, als in der Beschreibung. So z.B. die Verwendung des Injektors für die Kaltwasserzufuhr im Stand, aber die Kolbenspeisepumpe für die Warmwasserzufuhr während der Fahrt wird leider nicht erwähnt. Des Weiteren sind auch die Unterschiede der einzelnen Bedienelemente im internationalen Vergleich sehr gut dargestellt, was nützlich ist, da es im TS ja auch Loks verschiedener Verwaltungen gibt.


    Das Video ist in das erste Posting bei der Beschreibung eingefügt.

  • Hier ist der Link zu der gesamten Videoreihe. Oben im ersten Beitrag ist er auch eingefügt. Für die Freunde der Dampftraktion sind diese Filme ein absolutes Muss. Hier wird wirklich alles erklärt. Vom Aufbau bis hin zur Funktionsweise der Technik mit den verschiedenen Variationen. Wer sich z.B. immer gefragt hat, was es mit den Verbundtriebwerken auf sich hat, wozu da die Hoch- und Niederdruckzylinder stehen, hier gibt es die Antwort.