Signale: Grundlagen, Standorte und Aufstellung

  • Was ist ein Signal? Wo steht welches Signal, und wie groß müssen Abstände zum Gleis sein? Ein Versuch, ein paar Fragen zu klären.

    Signale: Grundlagen, Standorte und Aufstellung


    Vorwort


    Oft sehe ich auf Bildern von verschiedenen Strecken (teilweise) „abenteuerliche“ Signalkonstruktionen. Mit dem folgenden Lexikon-Eintrag möchte ich Euch die wichtigsten Grundlagen zu Signalen und ihrer grundsätzlichen Aufstellung näherbringen. Die Planung von signaltechnischen Einrichtungen ist jedoch ein weites Feld, daher sind die Informationen in diesem Beitrag sehr stark auf das Wesentliche eingedampft.


    Das Einfahrsignal zeigt Hp 1 - Fahrt


    Grundlagen
    Allgemeines

    Zunächst muss man sich die Frage stellen: was ist überhaupt ein Signal? Die Eisenbahnsignalordnung (ESO) gibt dazu eine genaue Bestimmung:


    „Ein Signal ist ein sichtbares oder hörbares Zeichen mit einer festgelegten Information zur Gewährleistung des sicheren Bewegens von Eisenbahnfahrzeugen“ (ESO §6,1)


    Umgangssprachlich bezeichnet man als Signal meistens die Signale einschließlich der Masten etc., die vom Bahnsteig aus erkennbar sind. Die ESO allerdings meint mit „Signal“ (zum Beispiel) die zwei gelben und grünen Lampen, die an einem Ausfahrsignal zu sehen sind, wenn es das Signal „Hp 2 - Langsamfahrt“ zeigt. Es gibt bei der Eisenbahn noch weitere Tafeln und Schilder, die häufig als Signale bezeichnet werden, jedoch gemäß ESO keine sind: Hektometertafeln zum Beispiel sind Orientierungszeichen.



    Zwei Tafeln, jeodch nur ein Signal: rechts Lf 7 mit Kennzifer 8 und links eine Hektometertafel



    Funktionen
    Entsprechend ihres Standortes auf der Strecke oder in einem Bahnhof erfüllen Hauptsignale verschiedene Funktionen:

    • Einfahrsignale werden vor einem Bahnhof aufgestellt. Sie stellen die Grenze zwischen dem Bahnhof und der freien Strecke dar und sichern Einfahrten in den Bahnhof.
    • Ausfahrsignale stehen in den Hauptgleisen des Bahnhofs und sichern die Ausfahrten aus dem Bahnhof zur freien Strecke.
    • Zwischensignale teilen einen Bahnhof in Bahnhofsteile auf und steigern so die maximale Auslastung eines Bahnhofs.
    • Blocksignale begrenzen eine Blockstrecke auf der freien Strecke und einer Abzweig- oder Überleitstelle. Dadurch verhindern sie unzulässige Einfahrten in besetzte Blockstrecken.
    • Sperrsignale (ugs. „Schotterzwerg“ oder Zwergsignal) zeigen an, ob in den ihnen folgenden Gleisabschnitt eingefahren und in diesem rangiert werden darf. Sie können nur die Signale „Hp 0“ (am Formsignal „Sh 0“) und „Sh 1“ zeigen und dienen der Beschleunigung des Rangierablaufs. Kann einer Rangierfahrt nicht durch ein Signal zugestimmt werden, darf dies auch mündlich geschehen.


    Bauformen

    Ausgehend ihrer Bauform werden Signale in Form- und Lichtsignale eingeteilt. Formhauptsignale sind die bekannten Flügelsignale: der Signalbegriff wird tagsüber über einen oder zwei Signalflügel dargestellt, nachts zeigen sie die Signale der Lichtsignale.



    Verschiedene Ausfahrsignale im Bahnhof St. Rudolf und Wildau


    Aufstellen von Signalen


    Einfahrsignale

    Einfahrsignale (Esig) werden an den Einfahrten eines Bahnhofs aufgestellt. Gemäß der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung (EBO) sind auf Hauptbahnen grundsätzlich Esig aufzustellen. Auf Nebenbahnen darf darauf verzichtet werden, wenn die Einfahrgeschwindigkeit nicht mehr als 50 km/h beträgt. (EBO §14,2)


    Der Standort eines Esig wird vom Gefahrpunktabstand bestimmt. Dieser ist der hinter einem Esig grundsätzlich freizuhaltende Abstand, um Kollisionen bei einer Signalverfehlung zu vermeiden. Gefahrpunkte sind:

    • die Spitze der ersten Weiche im Fahrweg
    • das Grenzzeichen der ersten Weiche oder Kreuzung im Fahrweg
    • die Rangierhalttafel (Signal „Ra 10“)
    • der Zugschluss eines haltenden Zuges

    Der Abstand muss zu allen diesen Punkten auf Hauptbahnen mindestens 200 Meter betragen. Auf Nebenbahnen darf der Abstand auf 100 Meter reduziert werden. Allerdings dürfen die Abstände unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel an einer Steigung, verkürzt werden und müssen bei einem Gefälle entsprechend vergrößert werden.



    Je nach Neigung ist der Gefahrpunktabstand teils erheblich erweitert


    Ausfahrsignale

    Das Gegenstück zum Esig ist das Ausfahrsignal (Asig) und sichert die Ausfahrten aus dem Bahnhof zur freien Strecke. Es gibt allerdings beim Vorbild Bahnhöfe ohne Ausfahrsignale: auf Nebenbahnen darf auf die Aufstellung von Asig verzichtet werden, wenn die Ausfahrgeschwindigkeit weniger als 60 km/h beträgt. Auf Hauptbahnen allerdings sind in jedem Fall Asig aufzustellen.(EBO §14,3)


    Die Signale müssen so aufgestellt sein, dass die längsten Züge grenzzeichenfrei vor ihnen halten können. Nicht immer jedoch kann dies realisiert werden, so dass sich daraus für jede Strecke maximal zulässige Zuglängen ergeben.



    Das rechte Signal steht direkt am Bahnsteig, das linke wurde möglichst weit nach hinten gestellt.


    Durchrutschweg

    Hinter Asig wird (analog zu Esig) ein Durchrutschweg (D-Weg) eingeplant. Er dient dazu, dass im Falle einer Signalverfehlung, andere Zug- oder Rangierfahrten nicht gefährdet werden. Bei einer Geschwindigkeit von über 80 km/h beträgt der D-Weg 200 Meter. In den Überholgleisen ist dieser auf Grund der niedrigeren Geschwindigkeiten kürzer: ab einschließlich 60 km/h nur 100 Meter und unter 60 km/h sogar nur 50 Meter. Bei 30 km/h und weniger kann sogar auf einen D-Weg verzichtet werden. Der Durchrutschweg kann über mehrere Weichen reichen, nur in bestimmten Fällen, zum Beispiel bei Kreuzungsbahnhöfen, endet er bereits am ersten Grenzzeichen im Fahrweg, um gleichzeitige Einfahrten zuzulassen. Das Thema „D-Wege“ würde allerdings einen eigenen Beitrag füllen.


    Standort

    Alle ortsfesten Signale werden im Allgemeinen rechts, oder über dem zugehörigen Gleis aufgestellt. Bei Hauptsignalen, bei denen von dieser Regel abgewichen werden muss, weil sonst die Signalsicht oder Übersicht auf die Strecke behindert wird, muss am eigentlichen Standort des Hauptsignals das Signal „Ne 4 – Schachbretttafel“ aufgestellt werden. Ausgenommen davon sind Signale, die im Gegengleis aufgestellt werden: wo Gleiswechselbetrieb eingerichtet ist, werden sie links oder über dem Gleis aufgestellt.


    Sowohl für Form- als auch für Lichtsignale, sowie für andere Signale (außer für Kompakt- und Ks-Signale am Auslegermast) gelten folgenden Mindestabstände zur Gleismitte:

    • auf der freien Strecke 3,10 m (Einfahr-, Blocksignale, usw.)
    • im Bahnhof 2,20 m (Ausfahr-, Zwischensignal, usw.)

    Beträgt der Gleisabstand 4,50 m und weniger (besonders bei alten Bestandsanlagen), dürfen Signale zwischen zwei Gleisen nicht mehr aufgestellt werden und müssen an einer Signalbrücke angebracht sein.


    Wird die Signalsicht durch Kurven oder hinter Tunnels behindert, darf der Abstand auf bis zu 10,00 m vergrößert werden. Dies ist allerdings bei Lichtsignalen unzulässig, da ansonsten die Optiken der Signale aus der Nähe nicht mehr zu erkennen wären. Wird ein Signal links vom Gleis aufgestellt, darf der Abstand 4,00 m nicht überschreiten; auch dies gilt nur für Formsignale.



    Ein Einfahrsignal steht abweichend links.


    Vorsignale

    Der Bremsweg eines Zuges kann abhängig von seinem Gewicht, seiner Geschwindigkeit und der Witterung mehrere hundert bis eintausend Meter betragen. Daher müssen Vorsignale aufgestellt werden, um die Stellung des folgenden Hauptsignals anzukündigen.(EBO §14,12) Laut EBO sind auf Hauptbahnen als größte Bremswege 1000 m und auf Nebenbahnen 700 m zugelassen.(EBO §35,4) Ausnahmen sind allerdings zulässig, sodass sich auf Hauptbahnen auch Bremswegabstände von bis zu 1250 m finden lassen. Als gängige Bremswege haben sich über die Jahre 400/700 m auf Neben- und 1000/1250 m auf Hauptbahnen etabliert. Man sollte jedoch beim Aufstellen von Vorsignalen darauf achten, einen einheitlichen Bremsweg für eine Strecke herzustellen.


    Vorsignale, die den Bremsweg der Strecke um mehr als 5% unterschreiten, müssen gesondert gekennzeichnet werden.(EBO §14,13) Formsignale erhalten ein weißes Dreieck auf dem Signal „Ne 2 - Vorsignaltafel“. Lichtvorsignale erhalten ein weißes Zusatzlicht, auf das zusätzliche Dreieck am „Ne 2“ wird verzichtet.


    Als Abstände zur Gleismitte gelten die grundsätzlichen Bestimmungen, wie bei Hauptsignalen (s.o.), jedoch werden sie bei schlechter Sicht nicht erweitert. Dazu ergibt sich konstruktiv bedingt jedoch eine Ausnahme: bei niedrigen Formvorsignalen (im Besonderen mit Zusatzflügel) reicht der Abstand von 2,20 m im Bahnhof nicht aus und muss auf 2,79 m erweitert werden. Stehen Formhaupt- und Vorsignal am gleichen Standort wie das Esig, wird das Vorsignal weiter nach außen gestellt. Bei Lichtsignalen werden beide Signale gemeinsam an einem Mast montiert.



    Formsignale am gemeinsamen Standort. Das Vorsignal steht weiter außen.


    Haupt- und Vorsignal an einem Esig an einem Mast.


    Quellenangaben

    • Eisenbahnbau- und Betriebsordnung, Stand 2015
    • Eisenbahnsignalordnung, Stand 2015
    • MIBA-Report „Signale 2“, Stefan Carstens, 2014