Trainz - was kann es und was nicht?

  • Trainz ist wie der TSW und der Train Simulator eine Eisenbahnsimulation, der etwas anders ausgerichtet ist und hier und da mehr auf die individuelle Nutzung des Spiels durch den Spieler setzt.

    1. Allgemein


    Trainz ist durch verschiedene Funktionen in der Lage, sehr transformationsfähig zu sein, sodaß man das Hauptspiel mit den Hauptfunktionen leicht auf verschiedene Weisen nutzen kann.Zwar wird der Rahmen der Möglichkeiten natürlich durch die Software vorgegeben, so teilt sich Trainz in die Module: Fahrer, Editor (Strecke + Aufgabe), Multiplayer-Fahrer und Hauptmenü auf.Durch eine große Bandbreite an Konfigurationsmöglichkeiten für Objekte (sog. Assets) lässt sich bereits mit den grundlegenden mitgelieferten Basisfunktionen einiges anstellen.Trainz lebt von der Community. So bietet die sog. Download Station einen zentralien im Programm integrierten Punkt für durch die Community erstellte Inhalte. Alleine hier lässt sich bereitseine Menge an Inhalten abrufen. Ein Nachteil darin besteht, dass Trainz mitlerweile technisch auf einem Stand ist, der die Inhalteerstellung auch gleichzeitig komplexer gestaltet hat.So sind die auf der DLS gerade älteren Inhalte, die noch in der Überzahl sind, vom Funktionsumfang und/oder grafisch nicht an die nun aktuellen Möglichkeiten angepasst.Nichts desto trotz, ist die DLS eine der Stärken von Trainz. Jeder, der sein Trainz registriert hat (das ist Pflicht, wegen DRM) bekommt eine eindeutige Nutzer-ID über die er seine Objekteauf die DLS laden kann und somit der Allgemeinheit auf einfache Art und Weise zur Verfügung stellen kann.


    2. Der Editor


    Der Editor von Trainz ist ein interaktives Tool das zum Erstellen von Strecken und Aufgaben genutzt wird. Hier lassen sich Objekte setzen, Splines verlegen, die Topologie bearbeiten, eben all das, was man von einem Editor in einem Zugsimulator erwartet. Ein Vorteil des Editors gegenüber denen mancher Marktbegleiter ist die Konfigurationsmöglichkeit der Kameraführung und Fortbewegung in der 3D Welt. So kann man entweder mit der Maus oder mit derTastatur, je nach Einstellung, die Welt erkunden. Objekte werden mit der Maus platziert. Ebenfalls alleinstellend ist die Ebenen-Funktion (Layer). Ebenen können sowohl bei einer Strecke, als auch bei Aufgaben genutzt werden. Objekte und weitere Inhalte lassen sich auf diese Ebenen verteilen. Diese kann man getrennt voneinander ein oder ausblenden. So kann man etwa in der Strecke eine Ebene mit der Bezeichnung "Vegetation" anlegen und dort die etwaigen Flora-Objekte platzieren. Aber Vorsicht: Ein ausgewähltes Layer ist ausgewählt. In einem Baufluss voller Elan hat man schnell Objekte in eine Ebene verbaut, die dort gar nicht hinein sollten, diese dann rauszufiltern ist mühsam :)


    Funktionen wie TurfFX, Clutter und Parallax-Texturen machen in TRS2019 das Bild des optisch möglichen einer Strecke rund.


    3. Der Fahrer


    Im Fahrermodus lassen sich alle Szenarios fahren. Zusätzlich bekommt jede Strecke automatisch das "Schnellfahrtszenario", das sich für das schnelle Erkunden der Strecke eignet. Szenarios können vom Erbauer in drei möglichen Fahrermodi erstellt werden:

    • Trafomodus
      In diesem Modus steuert der Spieler einer Aufgabe den Zug mit einem virtuellen Modellbahntrafo. Der Spieler kann den Zug nicht mehr an die KI übergeben (neu in TRS2019)
    • Führerstandsmodus:
      Hat man eine Lok mit einem schönen Führerstand ausgewählt, bietet sich der Führerstandsmodus an, der es dem Spieler erlaubt, den Zug im Führerstand selbst zu fahren. Der Spieler kann den Zug nicht mehr an die KI übergeben (neu in TRS2019)
    • Benutzerwahl:
      In diesem Modus kann der Spieler den Zug entweder im Trafo, als auch im Führerstandsmodus steuern. Die Wahl hat er dann. Außerdem steht dann in TRS2019 die KI-Funktion zur Verfügung.

    In früheren Versionen war die KI-Funktion für alle Modi aktiviert. Das hatte den Nachteil, das ein Spieler seien Zug der KI übergeben konnte, was der Aufgabenbauer in den meisten Fällengar nicht gewünscht hatte. Nun steht dies ausschließlich in dem Modi vor, der es dem Spieler erlaubt selbst zu wählen, wie er seinen Zug steuern kann. Da Trainz eine sehr einfache Art der Konfiguration hat und die Dokumentationen leider erst in den letzten Jahren wirklich umfangreich zur Verfügung standen, besteht bei vielen Fahrzeugen ein Defizit bei den physikalischen Eigenschaften. So ist ein großer Anteil an verfügbarem Rollmaterial nicht mit einer der Realität entsprechenden Physik ausgestattet. Hier besteht leider noch Nachbesserungsbedarf.


    4. Der Multiplayer-Fahrer


    Der Multiplayer ist das gleiche wie der eigentliche Fahrermodus. Hier kann je nach Einstellung der Session ein Spieler selbst einen verfügbaren Zug auswählen, oder bekommt diesen durch den Admin zugewiesen. In Deutschland gibt es dafür eine Gemeinschaft, die nach Möglichkeit Fahrtage ausrichtet, an denen immer einige Nutzer teilnehmen. Dort wird meistens ein echter Betriebsablauf, mit korrekter Kommunikation und nach echten Vorschriften, vorgesehen. Aber auch für den Spielbahner eignet sich dieser Modus für das Spielen mit Freunden sehr gut. Damit ein fehlerfreies Spielen im Multiplayer gegeben werden kann, ist es leider Pflicht, dass sowohl die Strecke, die Aufgabe die gespielt wird, als auch sämtliche Objekte, die dazu abhängig sind, direkt von der DLS bezogen und in der lokalen Datenbank des Nutzers unbearbeitet sind. Das ist die sog. "Asset Restriction". Bei einem solch komplexen Programm, das hauptsächlich auf Mods setzt, ist es eben nötig sicherzustellen, dass jeder die gleiche Version einer Mod (bzw. eines Assets) installiert hat. Dafür ist der Spielspaß gerade in TRS2019 sichergestellt.


    5. Erweiterung durch Scripts


    Trainz bringt eine eigene Scriptsprache mit einem eigenen Framework mit. Auch, wenn das für die Masse der Nutzer eher komplex erscheinen mag, möchte ich an dieser Stelle die Mächtigkeit dieses Frameworks nicht außer Acht lassen. Anders als einfache Scriptsprachen, wie LUA, die einen simplen Ansatz verfolgen, ist Auran Game Script (oder auch TrainzScript) eine durchaus mächtige Sprache, die ein hohes Potential mitbringt. Sie ähnelt im Aufbau der Sprache Java und ist vollständig objektorientiert. Innerhalb der Trainz-Umgebung lässt sich damit das gesamte Spiel nahezu umprogrammieren - es ist alles möglich! Man kann sogar einen Schiff- oder Flugsimulator innerhalb Trainz schaffen, sofern man denn genug Elan und Zeit, sowie auch die Motivation mitbringt, soetwas zu realisieren. Welt, Szenerie, Industrie, Fahrerbefehle für die KI, Wagen, Loks, Führerstände, individuelle GUIs sind nur einige der Möglichkeiten. Es lassen sich Animationen steuern, fremde Objekte aus der Ferne beeinflussen, eigene Modi entwickeln, etc. pp. Das ganze liegt daran, dass Trainz selbst eigentlich auf seiner eigenen Scriptsprache läuft. Das ganze läuft unwahrscheinlich performant und fast alles, was man in das Programm einbaut kann mit einem Script ausgestattet werden. Es lassen sich außerdem Bibliotheken anlegen, die es erlauben einen Funktionssatz, den man geschrieben hat, einfach in Objekte zu verlinken. Hier wurde an fast alles gedacht. Es lassen sich sogar einige Editor-Funktionen im Fahrermodus darüber aktivieren, außerdem kann die Kamerasteuerung von einem Script übernommen werden, usw. Ich möchte an dieser Stelle nicht schwärmen, aber einen ähnlichen Funktionsumfang bei einer Scriptsprache habe ich in noch keinem anderen Simulator entdeckt. Obendrein soll in Zukunft das sog. "TrainzNativeInterface" für die Community geöffnet werden. Das ist eine bisher noch interne Plugin-Schnittstelle für dynamische Laufzeitbibliotheken (unter Windows sind das DLL-Dateien), die mit der Programmiersprache C oder C++ programmiert werden können. Hierüber lässt sich auch die mit etwas Fleiß die mangelnde Physik von Fahrzeugen korrigieren.


    6. Abschließende Worte


    Ich hoffe hier für den Neuling einmal grob angerissen zu haben, was Trainz ausmacht und was es kann. Es gibt einige Dinge, die es nicht kann oder nicht im gewünschten Umfang vorhanden sind. Natürlich gibt es einiges, was Marktbegleiter besser machen, aber das gilt für die andere Seite eben auch. Trainz macht nicht alles richtig, einiges aber schon. Die Hauptstärke der Software liegt einfach darin viele Nutzer ansprechen zu können, so kommt der Modellbahnsim-Fan ebenso auf seine Kosten, wie der Realbahn-Fahrer, oder der, der einfach gerne Objekte in einer grafisch schönen 3D Welt bauen und anschauen möchte. Die Hauptschwäche hingegen liegt an den jetzt verfügbaren Inhalten, die zum großen Teil noch von vor fast 10 Jahren sind. Das ist leider etwas ungünstig, da braucht es neue, motivierte Bauer, die neue Inhalte liefern. Das betrifft leider auch die Verfügbarkeit von deutschen Inhalten, gerade Rollmaterial. Dies sind bisher, und gerade was Führerstände betrifft, in einem fast nichtigen Maß vorhanden. Führerstände, die optisch gut aussehen und obendrein noch Funktionen wie PZB, LZB, EBuLa und Co, besitzen, sind bisher nicht verfügbar. Trainz sollte auf dem eutopäischen Markt, trotzdessen es von einem australischen Entwickler kommt, eine Chance gegeben werden. Mit den richtigen Inhalten und der richtigen Community lässt sich mit Trainz ein hohes Maß an Individualität und Realismus erreichen. Man muss es bloß anpacken.